„Wir wollen einen Ort schaffen, an den die Menschen gerne zurückkehren“
Jana Theil über den Hafengarten, die Filmnächte Dortmund und besondere Sommerabende am Hafen
Mittwoch 29. Juni 2026
Wenn die Sonne langsam hinter der Dortmunder Hafenkulisse verschwindet, die Lichterketten angehen und auf der Leinwand die ersten Bilder erscheinen, beginnt jener Moment, für den monatelang geplant, gebaut und programmiert wurde. Doch der Hafengarten ist längst mehr als eine Kulisse für Open-Air-Kino.
Wir haben mit Projektleiterin Jana Theil darüber gesprochen, was den Ort besonders macht, wie das Programm der Filmnächte entsteht und warum ein guter Kinoabend bereits lange vor dem Film beginnt.
Jana, was ist der Hafengarten eigentlich: Biergarten, Kulturort oder Open-Air-Kino?
Am besten alles zusammen. Der Hafengarten soll ein Ort sein, an dem Menschen gerne Zeit verbringen – unabhängig davon, ob sie später einen Film sehen. Wir verbinden Gastronomie, Kultur, Musik und Kino miteinander. Nachmittags können Familien zu uns kommen, Freund*innen treffen sich auf ein Getränk und am Abend verwandelt sich die Fläche in ein großes Open-Air-Kino.
Die Filmnächte sind dabei der Höhepunkt des Sommers. Aber uns war wichtig, nicht nur einzelne Veranstaltungen nebeneinanderzustellen. Es soll ein lebendiger Ort entstehen, der sich im Laufe eines Tages verändert.
Was macht den Standort an der Quartiershalle so besonders?
Der Hafen besitzt eine raue, ehrliche Atmosphäre. Die Industriekulisse, das Gerüst der Quartiershalle, die Weite der Fläche und der Sonnenuntergang ergeben zusammen ein Bild, das wir nicht künstlich herstellen könnten.
Gleichzeitig gestalten wir den Ort bewusst warm und einladend – mit Lichterketten, Sitzmöglichkeiten, Gastronomie und vielen kleinen Details. Dieser Kontrast funktioniert: Auf der einen Seite Stahl und Industrie, auf der anderen Seite ein entspannter Sommerabend. Genau darin liegt der Charakter des Hafengartens.
Die Filmnächte Dortmund gibt es bereits seit vielen Jahren. Was verändert sich durch den Hafengarten?
Open-Air-Kino in Dortmund war immer in Bewegung und hat schon an sehr unterschiedlichen Orten stattgefunden. Seit 2007 gab es Spielzeiten unter anderem im Stadion, im Westfalenpark, auf Phoenix-West, am Tresor.West und an der Kokerei Hansa.
Mit dem Hafengarten können wir das Kino stärker in einen ganzen Sommertag einbetten. Die Gäste kommen nicht erst kurz vor Filmbeginn, suchen ihren Platz und gehen danach wieder. Sie können früher ankommen, gemeinsam essen, etwas trinken und die Atmosphäre genießen. Dadurch wird aus einem Kinobesuch ein gemeinsamer Abend.
Welche Rolle spielt die Gastronomie dabei?
Eine sehr große. Essen und Trinken sind nicht bloß eine Ergänzung, sondern Teil des Erlebnisses. Mit der Open Air Kitchen by Dyllong schaffen wir ein gastronomisches Angebot, das von unkomplizierten Klassikern bis zu besonderen Gerichten reicht.
Dazu kommen weitere Partner*innen mit einem vielfältigen Angebot: Pommes als bodenständige Variante von Dyllong oder Waffeln von der Waffelqueen. Für echtes Bar-Feeling sorgt der Schlips. Popcorn und Nachos, sowie erfrischende Getränke und Cocktails übernimmt die Hafengarten-Bar. So ist für alle etwas dabei – egal ob man nur schnell eine Portion Pommes möchte oder den Abend mit einem besonderen Essen beginnen will.
Das Programm besteht nicht nur aus Abendfilmen. Warum war euch diese Vielfalt wichtig?
Weil Kultur nicht erst mit Einbruch der Dunkelheit beginnt. Wir zeigen jeden Nachmittag Familienkino auf der LED-Leinwand. Damit können auch Kinder und Familien das Open-Air-Erlebnis genießen, ohne bis spät in den Abend bleiben zu müssen.
Daneben gibt es Konzerte, DJ-Sets, Comedy, Festivals, Bingo und weitere Sonderformate. Zu den Programmpunkten gehören beispielsweise unsere Sunset Sessions, Comedian Raphael Breuer, das Bunt oder Blau Jazz-Festival und weitere Kulturveranstaltungen.
Wir wollen unterschiedlichen Menschen einen Grund geben, den Hafengarten zu entdecken.
Wie entsteht das Filmprogramm?
Wir suchen bewusst die Mischung. Große aktuelle Kinofilme gehören genauso dazu wie Klassiker, Familienfilme und Produktionen, die auf einer großen Leinwand noch einmal eine besondere Wirkung entfalten.
Gleichzeitig möchten wir lokale Filmschaffende und kulturelle Partner*innen einbinden. Kino ist keine Ware, die wir einfach auf eine Leinwand werfen. Jeder Film bringt eine eigene Geschichte und ein eigenes Publikum mit. Unsere Aufgabe besteht darin, dafür den passenden Rahmen zu schaffen.
Was unterscheidet Open-Air-Kino vom normalen Kinobesuch?
Draußen lässt sich nicht alles kontrollieren – und genau das macht den Reiz aus. Der Wind, die Temperatur, der Himmel und der Sonnenuntergang gehören zum Abend. Manchmal fliegt ein Vogel durchs Bild oder nebenan fährt ein Zug vorbei. Das sind keine Störungen, sondern Momente, die nur an diesem Ort entstehen können.
Wenn mehrere hundert Menschen gemeinsam unter freiem Himmel lachen, mitfiebern oder für einen Augenblick ganz still werden, entsteht eine besondere Verbindung. Open-Air-Kino ist Kino und Sommererinnerung zugleich.
Wie viel Arbeit steckt hinter dieser scheinbaren Leichtigkeit?
Sehr viel. Auf einer solchen Fläche muss beinahe alles erst geschaffen werden: Strom, Wasser, Wege, Technik, Gastronomie, Sicherheit, Sitzplätze und natürlich die gesamte Kino-Infrastruktur.
Das Entscheidende ist, dass die Gäste diese Arbeit am Ende möglichst wenig bemerken. Sie sollen ankommen, durchatmen und einen guten Abend erleben. Hinter dieser Leichtigkeit steht ein großes Team, das jeden Tag an vielen unterschiedlichen Stellen arbeitet.
Woran merkst du, dass der Hafengarten funktioniert?
An den kleinen Bildern: Wenn Familien nach dem Nachmittagsfilm noch bleiben. Wenn Menschen früher kommen, weil sie gemeinsam essen möchten. Wenn sich Freund*innen in den Strandliegen zurücklehnen und der Blick immer wieder zum Sonnenuntergang wandert.
Besonders schön ist es, wenn Gäste sagen, dass sich der Ort bereits nach kurzer Zeit vertraut anfühlt. Genau das ist unser Ziel: Der Hafengarten soll kein Gelände sein, das nur für einzelne Veranstaltungen geöffnet wird. Er soll für einige Wochen zum gemeinsamen Sommergarten der Stadt werden.
Auf welchen Moment freust du dich während eines Abends am meisten?
Auf den Übergang. Am Nachmittag ist die Fläche hell, lebendig und voller Bewegung. Dann wird das Licht langsam weicher, die Gespräche werden ruhiger und die Leinwand rückt immer stärker in den Mittelpunkt.
Wenn schließlich der Film beginnt und sich die ganze Fläche für einen Moment sammelt, fällt vieles ab. Dann sehen wir, wofür wir gearbeitet haben.
Was sollten Besucher*innen unbedingt einmal im Hafengarten erlebt haben?
Sie sollten nicht erst zum Filmstart kommen. Mein perfekter Abend beginnt mit einem Essen oder einem Getränk, führt über einen Sonnenuntergang am Hafen und endet mit einem Film unter freiem Himmel. Denn die Leinwand ist zwar unser Mittelpunkt. Aber das eigentliche Erlebnis entsteht rundherum – zwischen Menschen, Musik, Licht und diesem besonderen Ort.
Die Filmnächte im Hafengarten laufen noch bis zum 6. September 2026. Das vollständige Programm mit Filmen, Konzerten und Sonderveranstaltungen findet ihr auf unserer Website.