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Vom Stadionflair zur Industriekultur

Mittwoch, 06. August 2025

2007 begann alles im BVB-Stadion – damals noch mit 35mm-Filmen und Improvisationstalent.

Mirco Groß, unser Kinotechniker seit der ersten Kinominute, arbeitete für den BVB im Dienstleisterteam für technische Ausstattung. Als kurzfristig das Open-Air-Kino anstand, wurde kurzerhand eine riesige Leinwand installiert – 24 mal 12 Meter, direkt unter das Stadiondach gehangen, weil der Greenkeeper strikt dagegen war, etwas auf dem Grün zu platzieren.

Und die Windlasten bei dieser Dimension? Mussten mit dem Stadionstatiker abgestimmt werden – „wie alles damals: knapp, mutig, machbar“, so Mirco.

„Fluch der Karibik“ & Tonprobleme 

Gleich die erste Vorstellung war ein Hit: „Fluch der Karibik“ lockte über 3.000 Besucher. Doch die Euphorie wurde vom Ton getrübt – kaum jemand verstand den Film.

„Wir hatten den Ton unterschätzt“, erinnert sich Mirco. Im Folgejahr wurde das nachgeholt – mit einer größeren Tonanlage. Aber es war schwer, das Publikum zurückzugewinnen, nachdem der erste Eindruck nicht stimmte.

Bis 2012 blieb das Stadion Heimstätte für Open-Air-Kino und Events – inklusive FIFA-Abenden auf der Playstation, Disco-Nächten, Stadionillumination und Live-Konzerten.

Kulturwandel: Vom Stadion in den Park 

Nach dem Ausstieg aus dem Stadionprogramm folgte der Westfalenpark – ein radikaler Wechsel. Kein Dach, kein Beton, dafür Bäume, Wind und Sommerabend-Stimmung. Hier musste vieles neu gedacht werden.

Highlights wie das Juicy Beats Festival oder Tatort-Premieren machten das Parkkino zu einem neuen Erlebnis. Besucher durften auch mal Mario Kart auf Großleinwand spielen.

Von Hochöfen und Heckklappen

Mit dem Projekt „Filmnächte am Hochofen“ wurde es industrieller. Doch der eigentliche Gamechanger kam 2020 – pandemiebedingt: Das Autokino auf Phoenix-West war eine der wenigen Veranstaltungen, die in Dortmund während Corona durchgängig stattfinden durfte.

Ganze 12 Wochen lang wurde durchgespielt – mit riesigem Erfolg. Auch 2021 wurde das Autokino fortgesetzt, bevor 2022 wieder auf Open-Air-Kino mit Publikum umgestellt wurde – mit großem Andrang beim FH-Festival.

2023 folgte das nächste Experiment: ein kurzfristig geplantes Open-Air-Kino auf dem Gelände der Kokerei Hansa. Zwei Wochen Vorlauf, begrenzte Dauer – aber viel Flair.

2024 sollten die Filmnächte in der Eissporthalle an der Strobelallee stattfinden – doch organisatorische Hürden verhinderten das Projekt. Es folgte ein Jahr Pause.

Jetzt, im Sommer 2025: Kino am Hafen, in der alten Knauf-Interfer-Halle – ein geöffneter Industriebau mit Blick aufs Wasser. Das Gerüst ist spannend, die Atmosphäre rau, authentisch – und urbaner als je zuvor.

„Solche Orte gibt’s nicht mehr viele – wir haben in Dortmund eigentlich fast alle schon mal bespielt“, sagt Mirco.

„Aber dieser hier, mit Blick auf den Hafen und Nähe zur Stadt – der hat Zukunft.“ Denn während am Hochofen immer mehr Neubauten entstehen, bleibt der Hafen wild.

Das Setting ist nicht nur für Kino ideal – es soll auch für Konzerte mit bis zu 3.000 Gästen ausgebaut werden. Kein aufblasbarer Kompromiss mehr, sondern echtes Bühnengerüst, mit eingebundener Film- und Veranstaltungstechnik.

Mircos Top 3 Filme:

» Herr der Ringe 

» Fear and Loathing in Las Vegas

» Indiana Jones – die ersten drei Teile

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